Als Marcel Wittwers (2. v.l.) Ehefrau im vergangenen Jahr völlig unerwartet starb, war der gemeinsame Sohn gerade viereinhalb Jahre alt. Plötzlich musste der Vater aus Oberhausen-Osterfeld den Alltag mit seinem Kind allein bewältigen und einen Weg finden, mit dem Verlust umzugehen. Hilfe bekam die Familie vom Sternenzelt Oberhausen und von Wittwers Arbeitgeber, der Kokerei von ArcelorMittal in Bottrop. Nun unterstützt das Unternehmen seinerseits das Sternenzelt mit einer Spende von 800 Euro.
Marcel Wittwer arbeitet als Industriemechaniker auf der Kokerei. Nach dem Tod seiner Frau reagierten Vorgesetzte und Betriebsrat schnell und ermöglichten ihm flexiblere Arbeitszeiten. Weil sein Sohn inzwischen zur Schule geht, beginnt Wittwer nun um acht statt um sechs Uhr und bleibt dafür entsprechend länger. Eine Regelung, die ihm den Familienalltag erheblich erleichtert und die keineswegs selbstverständlich für ein Industrieunternehmen ist.
Auch für seinen Sohn suchte er früh Unterstützung. Über den Kindergarten erhielt Wittwer den Kontakt zum Sternenzelt. Die erste Vorsitzende Nicole Peters-Bokelmann besuchte die Familie zu Hause, lernte den Jungen kennen und vermittelte ihn schließlich in die Waldgruppe des Vereins. „Er freut sich jedes Mal darauf, besonders auf die anderen Kinder und darauf, dass sie draußen sind“, erzählt Marcel Wittwer. „Ich habe den Eindruck, dass ihm die Besuche helfen. Danach ist er oft gesprächiger und kann besser über seine Trauer sprechen.“
Für Nicole Peters-Bokelmann ist das ein gutes Beispiel dafür, wie individuell Trauerbegleitung sein muss. Kinder reagieren ganz unterschiedlich auf den Tod eines nahestehenden Menschen. Manche ziehen sich zurück, andere wirken ausgelassen und unbeschwert. Auch die Unsicherheit der Eltern spielt eine wichtige Rolle. „Es ist einfach nicht vorgegeben, wie eine Begleitung im Sternenzelt verläuft“, erklärt die systemische Kinder- und Jugendtherapeutin. „Wir schauen zunächst, wie es dem Kind geht und was die Familie braucht.“ Bei Marcels Sohn passte die Waldgruppe besonders gut. Dort traf er auf Gleichaltrige, die ebenfalls ihre Mutter verloren hatten. Für die Kinder ist die Erfahrung wichtig, mit ihrem Schicksal nicht allein zu sein.
Auch die Kolleginnen und Kollegen in Bottrop nahmen Anteil an Wittwers Geschichte und beteiligten sich an einer besonderen Spendenaktion: Monatlich geben die rund 450 Beschäftigten die Nachkommabeträge ihres Gehalts/Lohn ab. Am Jahresende verdoppelt das Unternehmen diesen Betrag. Zudem kann die Belegschaft Vereine und Einrichtungen vorschlagen, denen das Geld schließlich zugutekommen soll. Und Marcel Wittwer schlug das Sternenzelt vor. Ein Auswahlgremium nahm den Oberhausener Verein in diesem Jahr als eine von vier Organisationen in die Förderung auf.
Zur Spendenübergabe kam auch Serhan Karaman (links im Bild), Leiter der Bottroper Kokerei. Er arbeitet seit 15 Jahren am Standort und kennt viele seiner Beschäftigten persönlich. „Wir haben das direkt durch Marcel mitbekommen und sind sehr dankbar für die Unterstützung des Sternenzelts“, sagte Karaman. „Wir möchten uns mit den Mitteln, die uns als Standort zur Verfügung stehen, dafür bedanken.“ Und er ergänzt: „Ein solches Engagement aus nächster Nähe kennenzulernen ist für mich gerade Urlaub für die Seele.“
Die 800 Euro der ArcelorMittal Bremen fließen nun in die laufende Arbeit, etwa in Gruppenangebote, Einzelgespräche und Materialien. Auch die anteilige Nutzung der Räume der Beratungsstelle FIBS finanziert das Sternenzelt auf diese Weise. Hinzu kommen gemeinsame Unternehmungen, zu denen der Verein Familien einlädt, die sich zusätzliche Freizeitaktivitäten – auch aufgrund der veränderten Familiensituation – finanziell kaum leisten können.

