Wie erklärt man einem sechsjährigen Kind, dass seine Oma möglicherweise sterben wird? Und wie erreicht man einen Jugendlichen, der sich plötzlich zurückzieht? Vor diesen Fragen standen Kristin und Christian Steiner, als Kristins Mutter schwer an Krebs erkrankte und bei der Familie einzog.
Die Diagnose ließ zunächst wenig Raum für Hoffnung, denn ihre Mutter, Martina Steiner, litt an einem Lymphom mit Metastasen in mehreren Organen. Gleichzeitig veränderte ihr Einzug das Leben der ganzen Familie. „Ich wusste nicht, wie ich meinen Kindern die Situation erklären soll? Was ist, wenn die Oma irgendwann im Bett liegt und tot ist?“, erinnert sich Kristin Steiner.
Über das Palliativteam Oberhausen kam Nicole Peters-Bokelmann zunächst als Psychoonkologin zur Familie. Bald ging es in den Gesprächen aber nicht mehr allein um die schwersterkrankte Frau. Auch die Kinder hatten Fragen, Ängste und sehr unterschiedliche Arten, mit der Situation umzugehen. Und damit kam das Sternenzelt ins Spiel. „Wenn ein schwer erkrankter Mensch in eine Familie einzieht, verändert sich das ganze Familiensystem“, sagt Peters-Bokelmann. „Die unterschiedlichen Rollen innerhalb der Familie verschieben sich weil jeder neue Aufgaben bekommt, während sich alle gleichzeitig nach Sicherheit sehnen, obwohl es diese gerade nicht gibt.“
Mit den Eltern hat die 1. Vorsitzende des Sternenzelts die Situation dann erst mal sortiert, und sprach dann auch mit den Kindern. Schnell wurde klar: Der jüngere Sohn brauchte andere Erklärungen als sein älterer Bruder, der sich zeitweise stark zurückzog. Die Eltern wiederum mussten einen Weg finden, offen über Krankheit und möglichen Tod zu sprechen, ohne ihre Kinder zu überfordern. Genau dafür nahm sich Peters-Bokelmann Zeit: für Gespräche mit den Eltern, mit den Kindern und für die Frage, was jedes Familienmitglied gerade braucht.
Ein Jahr später sieht alles vollkommen anders aus: Die Chemotherapie schlug bei Martina Steiner außergewöhnlich gut an und sorgte dafür, dass sich der Krebs derzeit nicht mehr nachweisen lässt.
Vergessen hat die Familie die Zeit der Unsicherheit trotzdem nicht, daher wollten Kristin und Christian Steiner etwas von der erfahrenen Unterstützung zurückgeben und organisierten auf dem Gelände des VfR 08 Oberhausen einen Flohmarkt zugunsten des Sternenzelts und des Ambulanten Hospizes. Mit Unterstützung beteiligter Unternehmen kamen so schließlich 860 Euro zusammen.
Das Geld ist das eine, während die spürbare Dankbarkeit der Familie selbst die erfahrene systemische Kinder und Jugendtherapeutin beinahe sprachlos macht: „Wenn ich sehe, was unsere Unterstützung für diese Familie bedeutet hat, macht mich das zutiefst dankbar und glücklich. Genau deshalb machen wir diese Arbeit.“

