Im Karnevalsmonat wurde es in einer Sternenzelt-Gruppe kreativ, bunt und zugleich tiefgründig: Gemeinsam mit der 1. Vorsitzenden Nicole Peters-Bokelmann bemalten die Kinder Masken – außen sichtbar, innen verborgen. Was zunächst nur nach einer fröhlichen Bastelaktion klingt, war auch ein feinfühliges, pädagogisch durchdachtes Angebot zur Trauerbewältigung.
Immer wieder setzt das Sternenzelt Oberhausen e.V. in seinen Gruppen thematische Schwerpunkte. Im Februar lag das Thema nahe: Karneval, Verkleidung, Rollen. Doch Peters-Bokelmann dachte weiter. Mit den Kindern sprach sie zunächst darüber, als was sie verkleidet waren – Rennfahrerin, Polizistin oder andere Figuren – und welche Eigenschaften sich dahinter verbergen. Von dort aus führte sie behutsam zu einer zentralen Frage: Wie zeigen Kinder ihre Trauer nach außen, und was behalten sie lieber für sich?
Die Antworten waren eindrücklich. Viele Kinder sagten, dass sie ihre Trauer nur ungern offen zeigen – besonders in der Schule. Dort möchten sie vor allem „einfach nur Kind“ oder Schüler:in sein und nicht ständig auf ihren Verlust angesprochen werden. „Die Kinder haben es selbst auf den Punkt gebracht: ,Die Trauer ist in ihrem Kopf.‘ Genau dieses innere Erleben wollten wir sichtbar und besprechbar machen.“
Die Masken wurden dafür zum starken Symbol. Einige Kinder gestalteten die Außenseite mit Blumen, Farben oder freundlichen Motiven, während die Innenseite jene Gefühle zeigte, die sie nur vertrauten Menschen offenbaren. Andere teilten ihre Maske in eine traurige und eine fröhliche Hälfte – ein berührendes Bild dafür, dass Trauer und Lebensfreude nebeneinander bestehen dürfen. Gerade diese entspannte Offenheit ist ein wichtiges Element der Arbeit im Sternenzelt: Es gibt keine richtige oder falsche Lösung, keine Bewertung, nur Raum für Ausdruck.
Fachlich ist dieser Zugang besonders wertvoll. Kreative Methoden helfen Kindern, Gefühle wahrzunehmen, einzuordnen und in einer geschützten Atmosphäre mitzuteilen. Trauer ist eben nicht nur Traurigkeit, sondern kann auch Wut, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, manchmal sogar Erleichterung umfassen. Nicole Peters-Bokelmann verbindet diese Vielschichtigkeit immer wieder mit behutsamer Psychoedukation: „Es geht nicht darum, Trauer hinunterzuschlucken. Kinder brauchen Wege, ihre Gefühle auszudrücken – im Gespräch, durch Kreativität, durch Schreiben oder auch durch Bewegung und Sport.“
So entstand aus einer Karnevalsidee weit mehr als ein Bastelprojekt: eine stärkende Gruppenstunde, in der Kinder erfuhren, dass sie mit ihrem Erleben nicht allein sind. Und genau das macht die Arbeit des Sternenzelt Oberhausen e.V. so besonders – sie schafft Verbundenheit, Verständnis und geschützte Räume für das, was Kinder nach einem schweren Verlust bewegt.

